Ein Update aus der Schreibwerkstatt.

Am 22. Jänner 2020 gestalteten die Kinder in der Schreibwerkstatt zu Erich Ohsers Vater-Sohn-Geschichten Dialoge. Dabei versuchten sie gemeinsam mit Tex und Stefan den Figuren Stimmen zu verleihen. Gute Unterhaltung mit einer kleinen Auswahl von szenischen Texten!

„An der frischen Luft“ von Mevlja

Der Vater (V) und der Sohn (S) spazieren im Herbst durch den Wald.

S: Papa, was machen wir hier im Wald?

V: Wir wollen abmessen, wie groß du bist. Halt jetzt endlich still!

S: Aha. Also deswegen hast du den Hammer und die Nägel mit. Ich dachte schon, dass du eine Hütte bauen willst

V: Warum eine Hütte? Ich habe den Hammer und die Nägel mit, damit ich sie beim Messen nicht in den neuen Türstock hineinschlagen muss.

S: Ah! Gute Idee!

Der Sohn beobachtet wie der Vater einen Nagel über seinem Kopf in den Baum einschlägt.

S: Papa, was ist aber nun, wenn der Baum wächst?

V: Beruhig dich Sohn! Der Baum wächst über den Winter nur ein kleines bisschen und außerdem wächst du doch auch.

Der Vater und der Sohn spazieren im Frühling durch den Wald.

S: Papa, wollen wir da drüben schauen, ob ich gewachsen bin?

V: Das hätte ich ja schon fast vergessen!

S: Papa, schau du hast wohl damals den Nagel zu hoch eingeschlagen. Ich komme ja kaum an den Nagel ran.

V: Nanu, was ist denn hier passiert?

Der Vater und der Sohn schauen zuerst sich und dann den Nagel verwirrt an.

S: Keine Ahnung.

V: Bist du etwa geschrumpft?

S: Ich will doch nicht kleiner werden, sondern größer!

V: Hm.

S: Papa, hast du eine Erklärung dafür?

V: Keine Sorge, du schrumpfst nicht. Der Baum ist gewachsen.

S: Aber ich doch auch!

V: Ja, aber du kannst nun genau sehen, dass man am schnellsten wächst, wenn man viel an der frischen Luft ist.

 

„Der Kirschbaum vor der Bücherei“ von Haithem

Der Vater (V) und der Sohn (S) sind in der Bücherei.

S: Warum sind wir in der Bücherei?

V: Damit wir lesen können.

S: Aber ich will nicht lesen!

V: Komm schon! Such dir doch irgendein Buch aus.

S: Na gut.

Der Sohn schaut aus dem Fenster und geht dann durch die Gänge.

V: Das Buch von Robinson könnte dir gefallen.

S: Nein, das gefällt mir sicher nicht.

V: Welches Buch willst du dann?

S: Die drei da oben fände ich gut!

V: Aber was machst du mit diesen dicken Büchern von Goethe?

S: Ich will damit an die frische Luft.

Der Vater sieht dem Sohn verwirrt nach, räumt das offene Buch vor ihm weg und geht dem Sohn hinterher.

V: Was machst du denn da? Wo sind die Bücher?

S: Da sind sie doch, da unter meinen Füßen! Ohne Goethe komme ich doch nicht zu den Kirschen auf dem Baum.

„Essenszeit“ von Vivian

 Die Mutter (M) ruft den Vater (V) und den Sohn (S) zum Essen.

Der Vater ist sofort da.

M: Wo ist denn nun wieder Felix?

V: Ich glaube er ist in seinem Zimmer.

M: Na, willst du ihn nicht holen?

V: Ich gehe ja schon!

Der Vater betritt das Kinderzimmer.

V: Felix, komm schnell mit, sonst wird das Essen kalt!

S: Ich will noch lesen!

Der Vater zeigt mit dem Finger Richtung Küche.

V: Geh sofort, es ist Essenszeit!

Der Sohn trottet in die Küche und setzt sich.

M: Wo ist dein Vater?

S: Ich glaube, dass er in meinem Zimmer ist.

M: Dann hol ihn her!

S: Ich gehe ja schon!

Der Sohn geht zurück in sein Zimmer und findet den Vater.

S: Vater, du sollst essen kommen.

V: Wie soll ich essen kommen, wenn das Buch so spannend ist?

Der Sohn geht zurück in die Küche. Seine Mutter schaut ihn verwirrt an.

M: Felix, warum ist dein Vater nicht bei dir?

S: Er will lesen.

M: Lesen?

S: Ja, ich habe ihn gewarnt. Wenn man in diesem spannenden Buch zu lesen beginnt, kann man einfach nicht mehr aufhören.

M: Wir essen einfach ohne ihn.

Weihnachtliche Grüße schickt auch unsere Schreibwerkstatt!

 
 

Schreibwerkstatt in der Volksschule Gaullachergasse

Am Donnerstag, 15. November fand eine Schreibwerkstatt in unserer Bibliothek statt. Tex Rubinowitz bringt mit seiner Arbeit nicht nur Erwachsene zum Lachen und Staunen auch bei SchülerInnen der 2., 3. und 4. Klassen sorgte er für zwei unvergessliche Unterrichtseinheiten. Die Kinder genossen dabei allerdings nicht nur die gemalten bzw. mitgebrachten Impulse des Künstlers, sie wurden auch selbst zu JungautorInnen.

In Zusammenarbeit mit unserer Direktorin, Lisa Stecher, und mit dem Lehrer, Stefan Steiner, ergab sich vor allem aufgrund der Kreativität der Kinder das Schreiben fast wie von selbst. Ausgehend von den witzigen Bildern von Tex entstanden zunächst Ideenskizzen und daraus erste Entwürfe für spätere Manuskripte.

Mächtige Fabelwesen, bunte Fantasiewelten und sinnliche Erlebnisse wurden so in Kurzprosa-Texten gesammelt. Wir werden die Schreibwerkstatt in dieser Form fortführen und möchten die darin entstandenen Arbeiten für SchülerInnen, Eltern als auch BesucherInnen unserer Schule auch zum Lesen anbieten. Sie werden als „Texte zum Pflücken“ bzw. auf unserer Homepage veröffentlicht. Viel Freude beim Lesen der ersten erlesenen sprachlichen Ernte!

 


Liebe LeserInnen,

viel Freude mit dieser kleinen Auswahl von Kurzgeschichten

 

 

 

Der Clown und ich

von Layan (2.Klasse)


Einmal bin ich in den Zirkus gegangen. Ich habe dort einen Clown gesehen. Er ist von irgendwo runtergefallen, genau auf seine Nase. Dieser Clown ist so verrückt gewesen. Alle im Zelt haben laut gelacht. Er hat gesagt: „Ich bin eine Frau und auch ein Mann. Wer soll ich jetzt für euch sein?“ Alle haben gesagt: „Ein Baby!“ Der Clown hat gesagt: „Nein, dann bin ich lieber gar nichts. Ich bin nur verrückt.“ Er lachte laut. Alle lachten mit.

 

 

Heute morgen

 

von Semento (3. Klasse)


Ich bin heute morgen aufgewacht und habe gemerkt, dass ich ein Hund bin. Da war alles schwarz das Fell, die Augen das dunkle Innere der Hundehütte. Und vor der Hütte war da noch ein Hund. Der hat gesagt: „Komm mit!“ Ich bin ihm gefolgt, er hat mich zu einem König gebracht. „Ich bin der König. Was willst du hier im Schloss?“ Und da habe ich ihn gefragt, wo ich bin. Der König hat gesagt: „Du bist hier an einem sicheren Ort!“ Das tat gut, endlich fühlte ich mich wohl in meinem Fell. Doch als ich mich auf die Hinterpfoten abgestützt habe und den König zum Dank umarmen wollte, war mir wieder schwarz vor Augen. Als dann der Wecker geklingelt hat war es hell im Zimmer. Ich fühlte mich wohl in meiner Haut.

 

 

Die Ziege

von Salsabil  (4.Klasse)


Es war einmal eine Ziege, die Hunger hatte. Sie schaute nach links, rechts, oben und nach unten und fand kein Gras zum Fressen. Plötzlich kam eine Frau und sah die Ziege. Langsam ging die Frau näher und die Ziege sah sie. Die Frau dachte kurz daran, dass die Ziege einem Bauern gehören könnte. Da band sie der Ziege ein Seil um den Hals und nahm sie mit zum Bauern Stefan. Der Bauer Stefan sagte, dass die Ziege ihm nicht gehört. Nun ging die Frau weiter zum Bauern Henrik. Der sagte auch, dass ihm die Ziege nicht gehört. Als sie dann all die anderen Bauern im Ort gefragt hat, war die Ziege hungrig und genervt. Mitten am Dorfplatz fraß die Ziege die Frau auf, weil sie so großen Hunger hatte. Muss so eine Ziege denn irgendwem gehören?